Carlsfeld - Geschichte
Carlsfeld gehört zu den jüngsten Gemeinden des Erzgebirges. Daher sind viele Begebenheiten bekannt und auch urkundlich belegt.
Hier eine kurze geschichtliche Zusammenfassung:
um 1676
- Kurfürst Johann Georg II. verweilt zwecks Hirschjagd in den Wäldern des heutigen Carlsfelds
- die großen Waldbestände und das Wasser der Wilzsch (Gewässer durch Carlsfeld) fallen ihm auf
- "Landjägermeister und Amtshauptmann Georg Carl von Carlowitz auf Altschönfels" soll hier die Möglichkeit zur Errichtung eines Gießwerks prüfen
- nun befasst sich eine Kommission (eingesetzt durch den Kurfürsten) mit der Prüfung
14.10.1678
- trotz heftigen Widerstands aller Hammerherren der Umgebung (Eibenstock, Schneeberg, Zwickau) wird
ein Platz für die Drahthütte Wilzsch festgelegt
erbauen soll es:- Veit Hans Schnorr "Erbsaß derer privilegierten Hammerwerke am Pfannenstiel, Carlos- und Ellefeld, Auerhammer und Schwefelhütte und Vornehmer des Rates und Kobaltkontrahent der Stadt Schneeberg"
- ihm und Georg Carl von Carlowitz verdankt Carlsfeld seine Existenz
1679
- Veit Hans Schnorr bekommt vom Kurfürsten die riesige Waldfläche überlassen
- auf Wunsch von V. H. Schnorr erhält das Werk den Namen "Carolsfeld" (zur Erinnerung an C. v. Carlowitz, der sich als Erster mit der Erbauung bemühte, aber scheiterte)
- die Erbauung dieses Werkes gilt als die Gründung von Carlsfeld
1679-1688
- aus der Drahthütte Wilzsch entsteht das Hammerwerk Carolsfeld - seinerzeit das größte in Sachsen (noch heute erinnern Bezeichnungen wie Stabhammer und Blechhammer daran)
- aus bisherigen Besitzungen von Schnorr (aus Schneeberg und Auerhammer) und aus dem "Böhmischen", sowie aus Bayern und dem "Frankenland" kommen viele Arbeiter (Maurer, Zimmerer, Berg- und Hüttenleute, Handwerksarbeiter, Holzfäller und Köhler)
- es entstehen viele kleine Häuser
- Schnorr lässt eine Malzmühle, ein Malz- und ein Brauhaus, sowie die Hammerschänke (heutiges Gasthaus "Grüner Baum") bauen
8.8.1682
- Stiftungsurkunde, nach der er folgendes bauen ließ: die Kirche, das Pfarrhaus und die Schule
1684-1688
- Bau der Trinitatiskirche in Carlsfeld
1687
- Schnorr bekommt durch den Kaiser den Adelstitel verliehen: Veit Hans Schnorr von Carolsfeld
1688
- Gründung der Schule (bis 1888/89 als Schule benutzt, später Fabrik, dann VEB Renak)
PS: das Jahreseinkommen des Schulleiters betrug 15 Gulden und 3 Neugroschen
26.1.1715
- Schnorr stirbt und wird in Schneeberg von 400 Bergleuten zu Grabe getragen
bis 1800
- das Hammerwerk ist größter Arbeitgeber des Ortes (hauptsächlich Herstellung von Weißblech)
- Carlsfeld hat über 1000 Einwohner
(eine für diese Zeit und diese Region beachtliche Zahl)
um 1820
- Niedergang der Hammerwerksindustrie im Erzgebirge aufgrund der Marktüberschwemmung durch englische Walzbleche
- Entstehung kleinerer Industriebetriebe
- Glaswerk und damit Glasindustrie bekommt größere Bedeutung
1829-1849
- aus dem Hammerwerk entsteht eine erfolgreiche Uhrenfabrik
- weitere kleine Betriebe, darunter die Brettmühle (später VEB Sägewerk, heute noch Sägewerk), entstehen
- Anfänge der Musikindustrie
1850
- Glasindustrie ist bedeutendste Industrie des Ortes
- Gründung einer Stickerei
1864
- Ernst Louis Arnold übernimmt Musikbetrieb und gründet die Firma Ernst L. Arnold, Herstellung von Harmonikas und Bandonions
1888/89
- Gründung der neuen Schule
1897
- Bau der Schmalspurbahn (Wilkau-Haßlau-) Schönheide-Carlsfeld
um 1900
- Carlsfeld ist ein Industrieort mit über 1650 Einwohnern
- Carlsfelder Glas wird weltweit geschätzt
es beginnt ein weltweiter Export von Tintengläser, Fensterglas, Parfümflaschen, Dosen und Flakons (Fläschchen) aller Art
7.8.1908
- Hochwasser der Wilzsch richtet große Schäden an
1910
- Gründung der selbstständigen Firma Alfred Arnold und neues Fabrikgebäude, Herstellung von Alfred Arnold - Bandoneons und dadurch internationale Bekanntheit des Ortes (in manchen Jahren 90% Auslandsaufträge)
1927-1929
- Bau der Trinkwassertalsperre Weiterswiese zwecks Trinkwassergewinnung und Hochwasserschutz
1929-1932
- erstmalig Arbeitslosigkeit aufgrund von Inflation und Weltwirtschaftskrise
ab März 1933
- Faschismus in Carlsfeld:
Hausdurchsuchungen, Polizeiverhöre, Inhaftierungen (Konzentrationslager), Mißhandlungen und Tote - Widerstandskampf gegen Faschismus beginnt - und daher viele Verhaftungen und Prozesse wegen Hochverrats
1939-1945 - Zweiter Weltkrieg
- KZ-Häftlinge werden durch Carlsfeld getrieben, wer nicht mehr weiter kann wird erschossen (Gedenkstätten erinnern noch heute daran)
- sowjetische Kriegsgefangene als Zwangsarbeiter im Sägewerk Carlsfeld
- Hungersnot, Nahrungsmittelrationierung
- Panzersperren
- Bombardierung der Eisenbahn
- viele Fabriken schließen
- Carlsfelder Einwohner (z. B. Paul Arnold) und viele andere der 12000 Mithäftlinge sterben am 3.5.1945 als die 3 Schiffe bombardiert werden, auf denen sie sich befinden
Juni 1946 - Sowjetische Besatzungszone
- Gründung der AG Wismut - später SDAG Wismut, heute Wismut GmbH - Beginn einer neuen Ära des Bergbaues im Erzgebirge
- Wismut wird größter Arbeitgeber der Region
- Zahl der Wismut-Kumpel in Carlsfeld steigt
1949-1990 - DDR
- Umwandlung der Betriebe in Volkseigentum
- Zusammenschluss von Einzelbauern zu Landwirtschaftlichen Produktions-Genossenschaften (LPGs)
- VEB Renak Werke Reichenbach (1964 aus dem Hammerwerk entstanden) ist größter Arbeitgeber in Carlsfeld
- Einstellung des Bandoneon- und Akkordeonbaus, Umwandlung zur Herstellung von Gartenmöbeln
- Sägewerk gehört nun zum VEB Vereinigte Holzindustrie Marienberg
- VEB Kurbelstickerei und Bunt- und Kurbelstickerei im nahegelegenen Eibenstock
seit 1990 - BRD
- Untergang des Industrieortes Carlsfeld
- beginnende Arbeitslosigkeit
- Bestrebungen zum Wiederaufbau der Schmalspurbahn
- Bestrebungen zur Wiederaufnahme der Bandoneon-Produktion
- Carlsfeld (und Umgebung) ist nun ein Tourismus-Gebiet
↑
© Danny Heinz